Die Entwicklung der Stipendien

Die Stipendien waren in ihrer Höhe ursprünglich so bemessen, dass davon die Kosten eines Studiums in voller Höhe bestritten werden konnten. Die Höhe der Stipendien wurde schon im 19. Jahrhundert von 8.000 Mark auf 7.000 Mark herabgesetzt. Damit konnten die Kosten eines Studiums mit weit über die Hälfte des üblichen Aufwands finanziert werden.

Von 1811 bis 1922 haben 52 Berechtigte ein Stipendium bezogen. Bekannte Stipendiaten waren Max Gerstein (1856–1937) (D-10.9), „Vater der Märkischen Kleineisenindustrie“,  Karl Gerstein(1864–1924) (R10.8), Gründer von Emscherverband, Ruhrverband, Ruhrtalsperrenverband, Lippeverband und Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen, Dr. med. Richard Gerstein (1841–1923) (D-10.15), langjähriger Ärztlicher Direktor des Luisen-Hospitals in Dortmund, Landgerichtsrat Wilhelm Maximilian Baeumer (1845–1904) (R-10.4) oder  der Unternehmer Dipl.-Ing. Alfred Christian Elbers (1861–1936) (D-11.1).

Angesichts der im Verhältnis zu den verfügbaren Erträgnissen anwachsenden Zahl der Berechtigten drohte 1899 der Stiftung die Gefahr, den Stiftungszweck nicht mehr nachhaltig erfüllen zu können. Der Ausschluß der in weiblicher Deszendenz neu entstehenden Familienzweige war indes um 1900 als Ordnungsfaktor für eine verantwortungsvolle Verwaltung der Studienstiftung unabdingbar.

Die Familienversammlung vom 3. März 1901 setzte das Stipendium nochmals herab auf 6.000 Mark und forderte die Stipendiaten auf, die mit dem Stipendium empfangenen Mittel ganz oder teilweise zurückzuzahlen, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse das ermöglichten. Wenn wir bedenken, dass für das Jahr 1905 die Kosten für ein Medizinstudium (Beleg-, Testat- und Promotionsgebühren sowie Lebenshaltungskosten) in Tübingen mit 11.00 Mark, für die deutschen Universitäten allgemein vor 1914 mit 13.000 Mark genannt wurden, bedeutete das Stipendium auch in herabgesetztem Umfange eine wesentliche Grundlage für das Studium der in den beteiligten Familien heranwachsenden Angehörigen.

In der Zeit von 1918 bis 1938 sank die wirtschaftliche Bedeutung der Stipendien, die mit 600 RM kaum den Aufwand an Beleggeldern decken konnte. Trotzdem waren die Beteiligten froh und dankbar, in den Genuß des Stipendiums gelangen zu können.

In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach dem II. Weltkrieg stand die Bedürftigkeit der Antragsteller im Vordergrund. Die Stiftung wurde etwa 1947 (der ersten Familienversammlung nach dem Krieg) von einem Berechtigten in Anspruch genommen. 63 männliche Berechtigte kämen für einen Bezug des Stipendiums in Frage. Jeder Berechtigte könne nach den Bestimmungen 600 RM erhalten. Daneben standen das Ziel und das Bemühen um eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit für die Stiftung, die jedoch nicht erreicht wurde.

Der Betrag eines Stipendiums wurde 1959 auf 800,- DM festgelegt.

Der Ausschluß der in weiblicher Deszendenz neu entstehenden Familienzweige von 1901 wurde mit der neuen Stiftungssatzung von 1983 aufgehoben. Die Stiftung gewährt nun allen männlichen und weiblichen Abkömmlingen in gerader Linie auf Antrag ein Stipendium. Die Bedürftigkeit trat zunehmend in den Hintergrund, da nun genügend staatliche Fördermöglichkeiten wie Bafög vorhanden waren.

Die Stipendien speisen sich heute

- aus den Erträgen des Stiftungskapitals (abzüglich 20–25 % Wiederanlage und abzüglich der  Verwaltungskosten) sowie
- aus Spenden, die zeitnah zu verwerten sind.

Die Höhe der Stipendien kann also von Jahr zu Jahr variieren. Sie sind in einem angemessenen Zeitraum nach Studienabschluß zurückzuzahlen.

Im Jahr 2008 kamen 53 männliche und 46 weibliche Berechtigte für einen Bezug des Stipendiums in Frage.

In neuerer Zeit wurden folgende Stipendien vergeben: Gemeinsam mit den in der Bundesrepublik  Deutschland lebenden Angehörigen eines Familiezweiges konnte in den 80er Jahren des 20.Jahrhunderts durch ein Stipendium von 1.000,- DM einem in der DDR lebenden Verwandten zur Förderung im Studium der Kirchenmusik in Halle/Saale ein Synthesizer besorgt werden.

1990/91 wurde ein Stipendium von 5.000,- DM für ein Auslandsstudium „Parfumerie“ an der weltweit einzigartigen Parfumerie-Akademie in Versailles (F) vergeben.

2002 wurde ein Stipendium von 1.250,- € für ein Auslandssemester an der Universität Malaga (E) vergeben.

2008 wurden 2 Große Stipendien zu je 1.000,- € für die Erstellung eines Lehrfilms und für ein Auslandsemester in den USA sowie ein Bücherstipendium vergeben, um Letzteres nach der Familienversammlung 2007 zum Leben zu erwecken.